Das Homeoffice hat noch immer einen Schweren Stand

Teile Unseren Artikel
Homeoffice wird bei den Deutschen immer beliebter. Durch den digitalen Wandel müssen Arbeitnehmer nicht mehr notwendigerweise an einem festen Arbeitsplatz sitzen, sondern können ein Großteil der Arbeit auch von Zuhause aus erledigen. Statistiken belegen: Die meisten Deutschen würden gerne einen Teil der Woche in den eigenen vier Wänden arbeiten.

Beginnen wir erst einmal mit einem weit verbreitetem Mythos: "Homeoffice ist doch nur etwas für Schwangere oder Teilzeit-Mütter. Wohingegen vollwertige Arbeit nur in einem Großraumbüro stattfinden kann". Zugegeben, die Arbeitswelt hat sich in den letzten Jahren etwas gewandelt, schon heute gibt es für viele Arbeitnehmer die Möglichkeit, um Home-Office zu arbeiten. Jedich steht die Option des Telearbeitsplatzes dem Großteil der Beschäftigten noch immer nicht zur Verfügung - und das obwohl das Büro dank Laptop, Cloud und VPN zunehmend mobil geworden ist.

Fakten

  • Viele wünschen sich einen etwas flexibleren Arbeitsplatz
  • Längere Stauzeiten bedeuten weniger Freizeit. Homeoffice würde die Arbeitszufriedenheit steigern
  • Steigende Mietpreise in den Ballungszentren drängen immer mehr Familien aufs Land. Die Folge sind lange Anfahrtswege
  • Forschungen zeigen einen Rückgang bei Krankentagen
  • Junge Menschen scheuen sich oft ihren Chef darauf anzusprechen
  • Die Eigenmotivation fällt schwerer und Gehaltserhöhungen sind erschwert

 

Viele würden gerne flexibler arbeiten

Einige Arbeitgeber befürchten, dass der Wunsch nach Home-Office ein indirekter Vorwurf an den Arbeitsplatz ist, oder die Person schon innerlich gekündigt hat. Wer also ins Home-Office möchte, bereitet schon innerlich die eigene Kündigung vor. Daneben erwarten einige Chefs, dass aus einem Tag Homeoffice, plötzlich zwei, drei, oder gleich die ganze Woche werden könnte. Doch diese Vermutung deckt sich nicht mit den Zahlen, wie folgende Grafik zeigt.

Umfrage Homeoffice

 

Die Umfrage zeigt, dass die Mehrheit der Befragten vorwiegend um einen flexibleren Arbeitsplatz bemüht ist. Denn viele schätzen die Arbeit im Büro. Dazu gehören die persönlichen Gespräche mit den Kollegen und dem Vorgesetzten, die Struktur des Alltags und nicht zuletzt auch die Möglichkeit, soziale Kontakte zu pflegen. Auch die Trennung zwischen Beruf und Alltag verbinden viele mit dem klassischen Büro und möchten darauf nicht komplett verzichten. Doch insbesondere jüngere Arbeitnehmer erhalten von ihrem Chef nur skeptische Blicke, falls der Wunsch nach einem flexibleren Arbeitsplatz gestellt wird.

  Die Vorteile des Homeoffice

Ein Blick in den eigenen Freundeskreis reicht meistens schon aus, um festzustellen, dass viele schon mit einem Tag Homeoffice deutlich zufriedener wären und sich im Job wohler fühlen würde . Denn oftmals wird der klassische Büroalltag als ineffizient und kreativhemmend bewertet. Zudem legen gerade jüngere Arbeitnehmer immer mehr den Fokus auf eine gesunde Work-Life-Balance.

Weniger Zeit im Auto und Stau

Für viele Angestellte werden auch die Anfahrtswege zeitintensiver: Da die Stauzeiten, gerade in den Metropol-Regionen immer länger werden, steigt bei vielen das Frustpotential. Anstatt dass Arbeitnehmer die Zeit mit ihrer Familie, Freunden oder mit Hobbies verbringen können, stecken viele Arbeitnehmer im Straßenverkehr fest.

Wohnraum wird knapper und teurer

Ein weiterer Faktor ist die Verknappung und Verteuerung des Wohnangebots in den Großstädten. Daher suchen sich immer mehr Menschen, gerade auch junge Familien, ihre eigenen vier Wände fernab der Städte in den Landregionen. Aber nicht in allen Gegenden ist die Anbindung optimal. Oftmals muss mehrmals umgestiegen werden.

Weniger Fehltage durch  Krankheit

 Zahlreiche Forschungen belegen,  dass die Anzahl der Krankentage signifikant im Homeoffice abnimmt. Die meisten Angestellten geben an, dass sie weniger gestresst und ausgeruhter sind. Ein nicht zu vernachlässigender Faktor für Unternehmen. Denn jährlich schreiben sich in Deutschland Arbeitnehmer durchschnittlich 10 Tage krank. Doch auch langfristig sinkt die Wahrscheinlichkeit an psychischenoder körperlichen Leiden zu erkranken. Zufriedene und gesunde Arbeitnehmer sind weniger gewillt den Job zu wechseln. 

 

Vereinbarkeit von Familie und Beruf

In Zeiten von Tinder, facebook und immer größer werdender Mobilität, verändern sichauch die klassischen Familien- und Beziehungsmodelle. Berufs-Pendlern kommt daher das Homeoffice sehr entgegen. Wochenendbeziehungen sind keine Seltenheit mehr und dafür nehmen einige auch wöchentlich weite Strecken auf sich. Auch wird von immer mehr Mitarbeitern erwartet, dass sie reisebereit sind. Für viele Menschen ist daher die Vereinbarkeit von Job und Familie oder Beziehung eine organisatorische Meisterleistung. Gerade für diese Berufsgruppen wäre die Möglichkeit des Home-Office ein echter Checkpot.

Keine Ablenkung durch Kollegen

Viele Arbeitnehmer klagen zudem über Unkonzentriertheit und einem zu hohen Lärmpegel im Büro. Insbesondere in Großraumbüros fühlen sich zunehmend die Befragten zu sehr der Ablenkung ausgesetzt. Da gezwungenermaßen Unternehmen aus Kostengründen die Räumlichkeiten verkleinern, drückt das auch auf das Wohlbefinden der Belegschaft. Zudem sind auch nicht alle Büroarbeiter mit den einheitlichen Licht- oder Temepraturverhältnissen einverstanden. In vielen Abteilungen ist meist auch die Luftqualität mehr schlecht als recht. So individuell die jeweiligen Umweltfaktoren sind, desto unflexibler erscheinen daher auch Großraumbüros zu sein.

Die Vorteile auf einen Blick:

  • Weniger Zeitaufwand und Stress im täglichen Berufsverkehr
  • Mehr Zeit für die Erziehung und Familiengestaltung
  • Das eigene Büro kann individuell gestaltet werden
  • Flexibere Arbeitszeiten und eine bessere Work-Life-Balance
  • Weniger Fehlzeiten auf Grund von Krankheit
  • Eine größere Verbundenheit und Wertschätzung des Arbeitsplatzes

Nachteile des Homeoffice aus Sicht der Wissenschaft

Wie zu beinahe jeder Frage gibt es auch in der Arbeitsforschung Studien, die die Nachteile des Homeoffice beleuchten. Viele Forscher kritisieren, dass Telearbeit zur Vereinsamung und zur sozialen Isolation führe. Zudem fällt es den meisten Heimarbeitern schwer, zwischen Freizeit und Arbeit zu unterscheiden. Dies hat zur Folge, dass auch am Wochenende gearbeitet wird und die Mitarbeiter rund um die Uhr erreichbar sein müssen – ein Abschalten fällt somit schwerer. Generell fühlen sich auch viele Mitarbeiter einem stärkeren Leistungsdruck ausgesetzt. Sie vermuten, dass von ihnen eine höhere Arbeitsbereitschaft erwartet wird und ihre Ergebnisse genauer beurteilt werden.

Eine Forschungsgruppe der Vereinten Nationen attestiert Heimarbeitern durch die Bank sogar höhere Stresslevel, als der Vergleichsgruppe ohne Heimarbeit. Auch werden Angestellte, die von Zuhause aus arbeiten, eher schlechter bezahlt und erhalten geringere Gehaltssteigerungen. Wer somit im Unternehmen in der Hierarchieleiter nach oben steigen möchte, hat es mit dem Heimoffice schwerer.

Die Nachteile auf einen Blick

  • Die Trennung zwischen Arbeit und Freizeit fällt schwerer
  • Arbeitnehmer haben das Gefühl, dass sie ständig erreichbar sein müssen
  • Höhere Eigenmotivation und Organisationsgeschick sind vorausgesetzt
  • Die Kommunikation mit Kollegen und Vorgesetzten ist erschwert
  • Psychologischer Druck sich beweisen zu müssen

Unternehmen setzen langsam auf Homeoffice

Das Thema Heimarbeit ist bei den meisten Unternehmen in den zurückliegenden zwei Jahren immer stärker in den Fokus gerückt, da immer mehr gut ausgebildete Arbeitnehmer ihre Jobwahl davon abhängig machen. Vor allem für junge Frauen, die zukünftig eine Familie planen, kann die Möglichkeit der Heimarbeit an erster Stelle stehen.

  • 43 Prozent der Unternehmen rechnen damit, dass in den nächsten fünf bis zehn Jahren immer mehr Arbeit von Zuhause aus erledigt werden kann.
  • Dies deckt sich auch mit anderen wissenschaftlichen Studien, die durch die Digitalisierung der Arbeitswelt weiteres Potential für Heimarbeit sehen.

Zwischen 2014 und 2016 hat sich in den Personalabteilungen ein ordentlicher Wandel vollzogen. Der Anteil der Unternehmen die ihren Mitarbeiter eine flexiblere Arbeitsgestaltung gewähren, hat sich um 50 Prozent erhöht. Doch zufriedenstellend ist das Ergebnis bisher noch lange nicht. Insbesondere die Argumente die gegen die Arbeit von Zuhause aus ins Felde geführt werden, werden auch in den nächsten Jahren schwer abgebaut werden können.

Warum manche Unternehmen die Telearbeit kritisch sehen

Für viele Unternehmen stellt Heimarbeit aber noch immer ein rotes Tuch dar. Zwar registrieren die Personal- und Geschäftsabteilungen, dass der Wunsch bei der Belegschaft immer stärker wird, jedoch gibt es derzeit noch vermeindlich unüberwindbare Hindernisse. Die repräsentative Umfrage des Auftrag des Digitalverbands Bitkoms hat dabei folgende Gegenargumente ermittelt:

  • Knapp 60 Prozent der Unternehmen sprechen sich gegen Homeoffice aus, da nicht alle Mitarbeiter die Möglichkeit dazu haben. Deshalb soll eine Ungleichbehandlung vermieden werden und kein Mitarbeiter soll besser gestellt sein.
  • Die Hälfte der Unternehmen befürchtet zudem, dass wichtige Gespräche unter den Mitarbeitern zukünftig nicht mehr stattfinden. Falls ein Teil der Belegschaft demnach nicht mehr vor Ort wäre, würde die Arbeitsproduktivität sinken.
  • Nicht zuletzt gibt es auch noch einige rechtliche Hürden, die die Heimarbeit erschweren. So beklagen einige Unternehmen, dass die Mindestruhezeit und der Acht-Stunden-Tag anstatt einer flexiblen Wochenhöchstarbeitszeit die Möglichkeit für Homeoffice erschweren.
  • Zudem fehlt in vielen Unternehmen die rechtliche Aufklärung was möglich ist und was nicht. Insbesondere bei Versicherungsfragen fühlen sich viele Unternehmer unsicher.